Volksverrat

Volksverrat war einer der Anklagepunkte im Dritten Reich, welcher vom eigens hierfür eingerichteten Volksgerichtshof verhandelt wurde. Häufig endete die Verhandlung mit der Todesstrafe. Des Volksverrats waren unter NS Herrschaft i.d.R. politische Gegner angeklagt, mit fortschreitender Zeit wurde er immer inflationärer eingesetzt.

Der Begriff des Volksverrats muss jedoch in einen noch größeren Kontext eingeordnet werden. Verschwörungstheorien gehörten von Anfang an zur Machtbasis der NSDAP, aus der sie Kraft gewann und die Bevölkerung gegen politische und ideologische Feinde mobilisieren konnte. So keimte nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg die von der NSDAP freudig aufgegriffene Dolchstoßlegende. Nach dieser ging der Krieg nur deswegen verloren, weil Juden den tapferen und ansonsten unbesiegten deutschen Soldaten heimtückisch in den Rücken gefallen seien. Weitere Verschwörungen wie der Reichstagsbrand von 1933, woraufhin die Reichstagsbrandverordnung die Bürgerrechte außer Kraft setzte, ebneten den Weg Hitlers zur Macht. Mit Einführung einer eigenen strafrechtlichen Grundlage konnten die Verschwörungstheorien lückenlos übergreifen in die Bekämpfung und Vernichtung der ideologischen Gegner mit Hilfe einer entmoralisierten Justiz.

Der Begriff des Volksverrats ist eng mit dem Volkskörper verbunden, dem eine völkische, d.h. rassische Staatsanschauung zu Grunde liegt. Damit richtete er sich gegen die Ideen des liberalen Staats, die sich in Folge der französischen Revolution entwickelt haben, er war bewusst antiliberal und antimodern. Maßgeblich war nicht die Staatsbürgerschaft sondern die völkische Zugehörigkeit. Auswirkungen dieser unterschiedlichen Rechtsphilosophien können wir bis heute beobachten. Französischer Staatsbürger ist, wer auf französischem Boden geboren wurde, deutscher Staatsbürger, wer von Deutschen abstammt.

Verwandte Begriffe zum Volksverräter sind der Volksschädling und der Volksfeind. Der Begriff des Volksschädlings wurde 1939 in der Volksschädlingsverordnung in Recht gegossen. Auch diese Verordnung öffnete willkürlichen Rechtsentscheidungen und dem ausufernden Einsatz der Todesstrafe Tür und Tor und setzte diese auf eine juristische Grundlage. Unter Volksfeinden wurden die laut NS-Propaganda dem Volkskörper feindlich gegenüberstehenden Gruppen diffamiert, z.B. Marxisten oder Juden. Volksverräter waren die inneren Volksfeinde.

Wenn der Begriff des Volksverräters heute vollkommen unreflektiert wieder die Runde macht und sogar zum Unwort des Jahres gekürt wird, ist dies leider mehr als entlarvend. Auch aufrichtige und mit guten Motiven besorgte Bürger, und ich weiß auch manche Christen befinden sich unter diesen, können spätestens bei der Verwendung derartiger Begrifflichkeiten ihre Augen vor der Realität nicht mehr verschließen. Die Wortwahl beweist, wessen Geistes Kind diese Gruppierungen tatsächlich sind. Man achte doch bitte darauf, in wessen Fußstapfen man wirklich treten möchte. Ganz besonders dann, wenn man für sich den Anspruch erhebt Jesus Wegen nachfolgen zu wollen.

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