Umgang mit Gegnern

Ich möchte noch eine mir wichtige Anmerkung zum Thema Trump bzw. AfD und ihresgleichen treffen. Wer meine politischen Ansichten kennt, weiß zu bestätigen, dass ich sachlich meist Kritisches über deren Politik oder Politikstil zu berichten habe. Was mich aber dennoch gehörig stört ist die Art und Weise wie andere Kritiker sich insbesondere in den sozialen Medien aber auch den regulären über diese äußern, nämlich unterhalb der Gürtellinie.

Hier stellt sich die grundlegende Frage nach den Werten, die ich vertrete und ob diese nur für Meinesgleichen Gültigkeit haben, oder sich auch auf die Ziele meiner Kritik erstrecken. Man muss sich immer wieder vor Augen führen: Meine Kritik hat sich gegen eine Sache, nicht gegen einen Menschen zu richten. Weder kenne ich Trump persönlich, noch habe ich das Recht über ihn als Mensch ein Urteil zu treffen. Gott alleine ist unser Richter. Wie alle Menschen ist auch er ein Geschöpf Gottes und als solches mit Respekt zu begegnen..selbst dann wenn er diesen Respekt seinen Gegnern nicht darbringt. Nicht sein Niveau ist mein Maßstab, sondern ich setze meinen Maßstab gemäß der Liebe, die mir mein christlicher Glaube schenkt.

Es erzeugt in mir nur ablehnendes Kopfschütteln, wenn ich Bilder sehe, in denen Trump als Schwachkopf dargestellt wird. Sieht so unsere Auseinandersetzung mit konkreter Politik aus? Wir dürfen nie vergessen, auch für uns gibt es irgendwo ein Gegenüber, dessen weit höherer IQ uns zum Schwachkopf werden lässt. Der Wert eines Menschen richtet sich nicht nach dessen intellektuellen Fähigkeiten. Der Wert einer Politik richtet sich nicht danach, ob mir die Nase der Person hinter der Politik gefällt. Will ich Kritik an der Politik äußern, muss ich meine Gedanken auf eben jene lenken.

Ich halte die Tendenz boulevardmäßig alles an den Personen und ihren persönlichen Entgleisungen fest zu machen für sehr gefährlich. Wir verlieren die Fähigkeit die Sache kritisch zu hinterdenken und unsere Meinung mit konkreten Argumenten zu begründen. Dieser Umstand spielt gerade jenen Populisten in die Hände, die wir mit unseren Äußerungen und oft begleitet von selbstgerechter moralischer Erhabenheit kritisieren. Sie können sich nun als Opfer einer Verschwörung inszenieren. Ihre einfachen, twitterlangen Schlagsätze verfangen sich. Und es gibt nichts, das wir diesem Verfangen entgegensetzen. Weil wir es nicht für nötig erachten unsere Ablehnung sachorientiert durchzudeklinieren. Nicht unsere Empörung oder Belustigung über die Person vermag die Populisten in ihre Schranken zu weisen, sondern einzig und alleine eine nüchterne und werteorientierte Durchsicht der zugrundeliegenden Weltanschauung.  Diese müssen wir hinterfragen, so dass auch anderen klar wird, dass die Welt sich eben nicht in einem 140 Zeichen langen Tweet erklären lässt.

Ganz nach dem Hardvard-Motto: „Hart in der Sache, weich zu den Menschen“

Advertisements
Tagged with: , , , , , , , ,
Veröffentlicht in Blog, Politik
11 comments on “Umgang mit Gegnern
  1. Reiner sagt:

    Einerseits – versuche einmal, mit verblendeten AFD-Anhängern sachlich zu diskutieren. Das macht selbst aus einem gefestigten Gläubigen ein hoch emotionales Wesen, um das mal vorsichtig zu formulieren.

    Andererseits – auch Hitler wurde als Teppich-fressender Idiot dargestellt. Mit den bekannten Folgen. Sie wollen also ernst genommen werden. Mit aller Härte ernst genommen!

    Guten Morgen !

    Gefällt mir

  2. schepperblog sagt:

    Danke ein sehr guter Beitrag. Als jemand der sich selbst eher als konservativ bezeichen würde schätze ich deine Meinung sehr. Zu viele Menschen haben verlernt zu differenzieren; Ist man z.B. anderer Meinung in der deutschen Flüchtlingspolitik steht man ganz schnell als Nazi da. Andersrum ist es ähnlich wenn man mal von den Mainstreammedien abweicht. Nur noch ganz Wenige können sachlich diskutieren, dafür hört man immer öfter; „…mit so einem wie dir brauch ich gar nicht reden das hat doch keinen Zweck“. Aber das genau diese Denke viel zu einseitig und zu unreflektiert sein kann, daran denkt keiner…

    Gefällt mir

    • Utopio sagt:

      Die meisten Dinge kann man aus mehr als einer Perspektive betrachten. So durchaus auch die Flüchtlingspolitik. Diese ist in ihren vielen Dimensionen noch nicht im Ansatz umrissen. Doch statt die Perspektiven zu weiten, scheinen sich die Fronten immer enger zu verhärten.

      Aus meiner christlichen Perspektive sehe ich Krisen wie jene von Flüchtlingen jedoch aus einer anderen Warte als ich es bei dir vermute. Bei dem Punkt Flüchtlinge würden wir beide wahrscheinlich zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen kommen 😉

      Dennoch freut mich der Kommentar.

      Die Kritik an den „Mainstreammedien“ ist teilweise berechtigt, wird aber m.E. auch aufgebauscht. Oft wird in den Medien oberflächlich berichtet. Aber ich sehe die Gründe nicht in einer Verschwörung, eher ein Mangel an Kompetenz. Für eine Verschwörung ist die politische Vielfalt von taz bis Welt u.a noch zu groß. Ich sehe alternative Medien auch nicht als objektiver. Wobei es unter modernen Medien auch Positivbeispiele wie Wikipedia gibt, welches durch strenge Inhaltskontrollen versucht ein gewisses Qualitätsniveau zu erreichen, mit dem scheinbar auch das klassische Brockhaus nicht mehr mithalten kann. Die Medien geben aber insgesamt nicht immer eine sehr gute Figur ab. Mir wird hier oft auch zu inkonsequent zwischen Berichterstattung und Kommentar getrennt. Allerdings konnten sich Gegner der Flüchtlingsaufnahme keineswegs an zu geringer Aufmerksamkeit beklagen. Und wie heißt es in Marketing-Kreisen so schön: Auch schlechte Publicity ist gute Publicity. Im Gegensatz zu den vielen ehrenamtlichen Helfern vor Ort, die praktisch nicht zu Wort kamen. Ich denke wir werden hier manchmal Opfer unseres eigenen Skeptizismus. Dieser ist sicherlich eine positive Errungenschaft der Aufklärung, frisst aber ohne konkrete Kriterien letztlich alles auf.

      Deskriptiv bietet die wissenschaftliche Methodik gute Kriterien, deren erkenntnistheoretischen Grenzen wir uns jedoch auch bewusst sein müssen. Normative Kriterien leiten sich bei mir aus meinem christlichen Glauben ab.

      Gefällt 1 Person

  3. Entsprechend des Beitrages finde ich das Debatieren im Sinne der „Debating Clubs“ recht interessant, insbesondere wenn man gegen seine eigentliche Position argumentieren muss. Folglich sollte dieser Disziplin in Schulen und anderen Lehranstalten mehr Raum eingeräumt werden, da man sich zwingend auf andere Denkweisen und Perspektiven einlassen muss.

    Gefällt mir

    • Utopio sagt:

      Ja das ist ein interessanter Ansatz. Im richtigen Rahmen sollte das eigentlich zum Standard gehören. Ich denke rückblickend sollten bei uns die Erörterungen im Deutschunterricht vermutlich ein entsprechendes Denken fördern

      Gefällt mir

      • Die Erörterung, wie ich sie im Deutschunterricht kennengelernt habe, hatten den Nachteil, dass man überwiegend mit sich selbst beschäftigt war. Zudem galt es dabei seine eigene Meinung fokussiert darzustellen. Somit handelt es sich bestenfalls um eine geeignete Vorbereitung für Debatten.

        Gefällt mir

  4. letzter gekürzter Versuch eines Kommentars
    In Anführungszeichen sind Zitate: „verblendeten AfD-Anhängern“ , bei denen quasi jeder „hoch emotional“ werden muss. „Dieser Umstand spielt gerade jenen Populisten in die Hände, die wir mit unseren Äußerungen und oft begleitet von selbstgerechter moralischer Erhabenheit kritisieren.“ – Die politischen Gegner sind „Populisten“, die sich “ als Opfer einer Verschwörung inszenieren.“
    Vergleiche ich die „nüchterne und werteorientierte Durchsicht der zugrundeliegenden Weltanschauung“ des Friedensnobelpreisträgers Obama mit der von Trump, kann ich in der Kürze der Zeit feststellen, dass Trump es nicht förderungswürdig findet, dass der Staat Abtreibungen finanziert und bewirbt. Er hat die pro-Abtreibungs – Gelder gestrichen, eine seiner 1. Amtshandlungen.
    Ich vermute und hoffe, ebendasselbe wird mit der Religion >Gender passieren, die allen Kindern weltweit (auch hier) das Gehirn waschen soll, dass sie vielleicht ja das gegenteilige Geschlecht seien etc….Obama war da zusammen mit Hollywood en vogue.
    Trump ist gegen Gender – soviel ich verstehe – und er wird diese Religion staatlicherseits hoffentlich zerstören. Mindestens was die Förderung an den Schulen angeht etc.
    Da werden sie wieder auf die Straßen gehen und demonstrieren und weinen und sich verkleiden und sich halbnackt darstellen und sich aufführen, sich darstellen, sich empören, Steine werfen und drohen ihn zu töten.
    Es gab bereits über 12.000 Aufforderungen via twitter etc Trump zu töten.
    http://investmentwatchblog.com/google-cozies-to-trump-but-calls-for-impeachment-over-12000-tweets-calling-for-assassination/

    Wa machen wir eigentlich mit solchen Umfragen? http://www.focus.de/politik/ausland/nach-trumps-vorbild-europaeer-fordern-einreisestopp-fuer-muslime-das-steckt-hinter-den-brisanten-zahlen_id_6627429.html

    Richtig war der Satz von der „selbstgerechten moralischen Erhabenheit“ die darauf zielt, dass das westliche sozialpädagogische Modell auf alle Völker übertragen werden muss – wie auch die Demokratie auf alle Staaten der Welt, weil wir wissen was gut oder böse ist.
    Diese verlotterte westliche Gesellschaft will irgendjemandem auf der Welt sagen, was richtig oder falsch ist.
    In Gießen hingen direkt gegenüber dem Erstaufnahmelager für Flüchtlinge (Männer aus Pakistan, Somalia etc und auch ICH ALS DEUTSCHER!) Frauen-oben-ohne-Plakate in Reihe geklebt. das ist hier normal und die sehen das und denken dummerweise, das hier seien die Christen.
    Wann distanzieren sich endlich mal die Christen laut und deutlich?
    Ist ihnen peinlich
    Wollen nicht mit „nein-Aussagen“ auffallen?

    Gefällt mir

    • Utopio sagt:

      Von vielen Christen in den USA habe ich gehört, dass die nicht für Trump sondern gegen Clinton gestimmt haben.

      Weil Clinton mit ihrer offensiven Unterstützung des ethisch mehr als fragwürdigen Planned Parenthood für viele Christen unwählbar war.

      So eine strategische Allianz zum Zweck eigener Interessen ist durchaus nachvollziehbar.

      Dennoch wird es gerade aus christlicher Sicht interessant. Trump ist der erste Präsident, der keinen großen Hehl daraus macht mit dem christlichen Glauben nicht viel anfangen zu können. Am ehesten noch mit einem Wohlstandsevangelium. Ob man ihm Pro Life wirklich abnehmen kann ist angesichts seiner Haltung zur Todesstrafe kritisch weiter zu beobachten.

      Gefällt mir

  5. „Trump ist der erste Präsident, der keinen großen Hehl daraus macht mit dem christlichen Glauben nicht viel anfangen zu können.“ – Sehe ich nicht so und hab ich auch nicht von ihm gehört. Er überzieht des öfteren mal und hat sich offensichtlich in Reden und Tun bezüglich Frauen verfehlt – aber er redet (ungefähr) was er denkt, er murmelt nicht dieses politische correctness – Zeug, nicht pro schwul und nicht pro multisex, das sind alles eher christliche Positionen. In USA gab es Gerichte, die christliche Partyservices zwingen wollten, Schwulenhochzeiten zu beliefern, die das aber nicht wollten!
    Gegen Abtreibung zu sein hat nichts zu tun mit der Todesstrafe für schwere Straftäter. (In Deutschland gibts für Vergewaltigungen manchmal Bewährungsstrafen! )Wofür man in Deutschland max 15 Jahre kriegt, gibt es in USA 40 Jahre + x Strafe und als Höchststrafe eben die Todesstrafe. Wieso sollte das dem Christentum oder pro life widersprechen?

    Gefällt mir

    • Utopio sagt:

      Aus Trumps Äußerungen und seinem bisher doch eher sündhaften und wenig demütigen Lebenswandel, seinen Investitionen in Casinos etc.pp. ist zu vermuten, dass er im günstigsten Fall den christlichen Glauben noch nicht ganz versteht oder er ihm egal ist. So z.B. Aussagen, dass er noch nie um Vergebung gebeten habe und diese auch gar nicht nötig habe.

      Die Hoffnung vieler amerikanischen Christen ist, dass in seinem Beraterstab wohl einige bekennende Christen sind, die durch ihn Einfluss gewinnen. Und letztlich kann ja jeder auch ein Damaskus-Erlebnis haben.

      Wer wirklich Pro Life ist, ist dies i.d.R. konsequent in allen Bereichen, von der Zeugung bis zum Lebensende. Lebensrechtler geht es dabei um Abtreibung, aber auch um Sterbehilfe und eben Todesstrafe. Alles andere wäre ja auch Doppelmoral. Gott alleine ist Richter über Leben und Tod. Wer tot ist kann schlecht noch zu Jesus finden.

      Gefällt mir

  6. Todesstrafe hin oder her: Wir reden über ca 20 Hinrichtungen pro Jahr in USA aber über ca +-1 Million tote Ungeborene in USA.
    Ja, Trump tritt wenig demütig auf (er wird es wohl „automatisch“ werden…), aber bedenke, er hat nicht nur die Demokraten, sondern die quasi gesamte Presse + Hollywood und Teile der eigenen Partei gegen sich, obwohl ihn das Volk gewählt hat. Rechnet man New York und Kalifornien raus – sogar mit überwältigender Mehrheit. Das Volk steht hinter ihm.
    Nun, wofür stehen New York und Kalifornien??
    Er braucht schon einen ziemlich harten Kopf, wenn er gegen diese geballte Macht quasi der westlichen Welt angehen will mitsamt ihren Dogmen:
    – Grenzenlosigkeit (physisch, sexuell, geistlich)
    – wir versprechen etwas und vergessen es direkt nach der Wahl
    – was wir machen dauert im politischen Zermürbungsprozess so lange, dass es quasi verjährt
    – alle müssen uns immer lieben, smile, dafür machen wir fast alles
    – Regierungsämter werden nicht nach Fähigkeit vergeben sondern als Belohnung
    – gegen Illegalität kann man nix machen
    Schon allein die Tatsache, dass quasi die ganze Welt auf ihn einschlägt, müsste einen nachdenklich machen und mal nur stur auf die Fakten, was er vertritt, schauen. Ja, da gibt es Mißstände, aber die politisch korrekten Obama, Clinton sind für mich das weit schlimmere Übel. Sie sind „ja“-Sager. Trump hinterfragt die Dinge, das schon macht ihn wertvoll. Er hinterfragt Dinge, die andere für unantastbar halten – und mal ehrlich: Das Geschrei wegen ca 200 auf Flughäfen gestrandeten Reisenden, die nicht in USA einreisen durften war doch lächerlich. Auf einmal erinnerte man sich in wieviele Länder eigentlich Israelis nicht einreisen dürfen oder Touristen mit einem israelischen Stempel im Pass.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: