Gott der Brüste

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Die mütterliche Seite Gottes

Da Jesus Gott als den Vater anspricht und wir regelmäßig das Vater uns beten oder uns im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes bekreuzigen, fallen die mütterlichen Attribute Gottes oft leider unter den Tisch. Wir neigen dazu diese gerne dem Heiligen Geist zuzusprechen, der allerdings in der sehr auf Nüchternheit und möglichst wenig Mystik bedachten evangelischen Kirche lange Zeit in den Hintergrund trat. Dabei wird schnell übersehen, dass diese mütterliche Seite Gottes bereits im Alten Testament eine prominente Rolle spielt.

Hierzu ist allerdings noch einzufügen: Gott ist als Gott selbstverständlich nicht geschlechtlich definierbar. Er ist schließlich kein Mensch. Alle Umschreibungen als Vater oder Mutter sind symbolhaft zu verstehen, um einen Wesensaspekt Gottes in für uns verständliche Kategorien einordnen zu können. Ohne diese bildhaften Kategorien bliebe es uns unmöglich überhaupt etwas über Gott auszusagen, solange wir auf einer von Gott getrennten Welt leben. Diese bildlichen Kategorien zu überstrapazieren und Gott tatsächlich einem Geschlecht zuzuordnen wäre  ein Verstoß gegen das Verbot sich ein Bildnis von Gott zu machen. (Exodus 20, 4)

El Shaddai

Der mütterlichen Seite Gottes begegnen wir im Gottesnamen El Shaddai. Über den katholischen Prediger Johannes Hartl vom Augsburger Gebetshaus bin ich auf eine alternative Übersetzungsmöglichkeit des Gottesnamens El Shaddai gestoßen. In vielen deutschen Bibeln lautet die Übersetzung regelmäßig Gott, der Allmächtige. Das Wort El bedeutet Gott. Über die ursprüngliche Bedeutung von Shaddai ist man sich aber unsicher. Entgegen der üblichen Übersetzungen kann Shaddai nämlich durchaus auch (Mutter-)Brüste bedeuten. Dann wäre die Bedeutung von El Shaddai: Gott der vielen Brüste.

Diese Übersetzung bietet sich an, weil El Shaddai bei einigen Bibelstellen im Zusammenhang mit Fruchtbarkeit genannt wird. Gottes mütterliche Seite kommt im Alten Testament z.B. in der weiblich assoziierten Fruchtbarkeit zutage. Er ist der Schöpfer von Leben. Das ist insbesondere darum sehr beachtlich, da Gott als Schöpfergott im Alten Testament eine der bedeutendsten Gottesbeschreibungen ist. Diese wird im oft polytheistisch geprägten Umfeld eng mit dem 1. Gebot verknüpft. El Shaddai, der Gott der fruchtbaren Mutterbrüste, hierzu siehe z.B. Genesis 35,11:

Und Gott sprach zu ihm: Ich bin El Shaddai; sei fruchtbar und mehre dich! Ein Volk und eine Menge von Völkern sollen von dir kommen, und Könige sollen aus deinen Lenden hervorgehen.

Was ich aber noch schöner finde ist die Vorstellung der mütterlichen Brüste als Quelle des Schutzes, des Trostes und der Versorgung. Der Gott der vielen Brüste will uns – wissend um unsere unvollkommenen leiblichen Familien – eine mutmachende Botschaft mitgeben:  ER hat unerschöpfliche Ressourcen, uns zu ernähren, zu umsorgen und uns in all unserem schrecklichen Kummer unermesslichen Trost zu schenken. Eine der wundervollsten Stellen, die diese mütterlich-umsorgende Seite betont finden wir in Jesaja 66,11-13:

Denn nun dürft ihr saugen und euch satt trinken an den Brüsten ihres Trostes, denn nun dürft ihr reichlich trinken und euch erfreuen an ihrer vollen Mutterbrust. […] Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.

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5 Kommentare zu „Gott der Brüste

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  1. Vielen Dank für diese Horizonterweiterung!

    Dass Jesus Christus in einzelnen Gleichnissen im Lukasevangelium (verlorenes Schaf, verlorene Münze) Gott als weiblich beschreibt und diesbezüglich auch an anderen Stellen mit den Ansichten der damaligen Zeit bricht, war mir bewusst.

    Dass diese Ebene bereits im Alten Testament mitschwingt, war mir neu.

    Vielen Dank dafür!

    Gesegneten Gruß !

    Hagen

    Gefällt 1 Person

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