Sein Gottes: Beziehungen

Gott wird anders als es Philosophen versuchten nirgends in der Bibel in seinem Sein definiert. Ohne diese Definition wird aber so manch abstraktes Problem, das sich Theologie und Philosophie so lange Jahrhunderte machten unlösbar, es muss ohne Antwort bleiben.

In der Bibel begegnen wir Gott immer in Beziehungen oder durch konkrete Handlungen. Gott spricht im Dornbusch, gibt Anweisungen oder hört Moses Klagen zu, verhandelt mit Abraham, tröstet Elias. Die Geschichte von Gott beginnt nicht mit Definitionen sondern mit einer großen, der größten aller Handlungen…Gott spricht die Welt in ihre Existenz, er erschafft Seiendes. Was Gottes Sein ist bleibt dagegen unerwähnt. In diesem Akt des Schaffens generiert er allerdings die Möglichkeit etwas zu sich in Relation zu setzen. Auf diese Relationen wird fortan der ganze weitere Geschichtsverlauf zurückgeführt.

Alles weitere Sprechen von Gott kann nur über diese Relationen erfolgen. Gott kann als Gott, in seinem Sein, als Wesen, als Abstraktum nicht gedacht werden. Alleine durch Beziehungen, im Konkreten können wir ihn erfahren und überhaupt erst erkennen. Diese Beziehungsnetze sind mannigfaltig, wir Menschen stehen untereinander in Beziehung, in Beziehung zu seinem Sohn, zu seinem Wort, wobei die letzten zwei sich überschneiden, zu uns selbst und unseren vielschichtigen inneren Anteilen,…

Es gibt in der Bibel eine großartige Ausnahme zu dem Gesagten. Und die besteht im Gottesnamen Jahwe. „Ich bin, der ich bin“. Gott selbst definiert sich als reines Sein. Und damit im scheinbaren Widerspruch zu jeglicher Offenbarung, die wir sonst von ihm vermittelt bekommen.

Dieses reine Sein bedeutet: Gott ist im Gegensatz zur Welt ohne Anfang und ohne Ende, er ist weder räumlich noch zeitlich. Weder wurde er geschaffen, noch wird er vergehen, noch wird sich an ihm ein Prozess von Werden zu Vergehen abspielen. Dieses reine Sein spiegelt sich im Wort ewig wider.

Und gerade deswegen können wir ihn als Jahwe gar nicht erkennen. Der Mensch ist ein zeitliches und räumliches Wesen und als solches kann der Mensch nichts sehen und noch nicht einmal denken, das weder zeitlich noch räumlich ist. Das ist aber die logische Schlussfolgerung, wie Gott sein muss, wenn er „vor“ dem Urknall war.

Von Gott lässt sich daher nur über Beziehungen oder über Handlungen reden. Nirgends begibt sich die Bibel in auch nur annähernd so komplexe Metaphysik, wie sie Philosophen entwickelt haben. Gerade wegen des Gottesnahmens in Verbindung mit dem Bilderverbot erleben wir in der Bibel Gott immer nur in konkreten Situationen, in denen er oder der Himmel nicht metaphysisch gedeutet werden, sondern das konkrete diesseitige Alltagsleben des gerade im Zentrum stehenden Propheten, Königs oder Schreiberlings in Relation zu Gott gesetzt wird. Alles wird zurückgeführt auf die Frage: In welcher Beziehung stehe ich zu ihm und seinem Sohn Jesus Christus? Das macht Glaube aus. Beziehungen sind das A und O.

Alles Denken vom Sein Gottes muss auf die Ewigkeit verschoben werden, falls es dann noch relevant sein sollte.

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Veröffentlicht in Blog, Theologie

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