Heilige Sanftmut

In politisch aufgeheizten Zeiten ist sie vielleicht die verlorene Tugend. Leider trifft das häufig auch auf Christen zu. Hat man politischen Ungemach entdeckt wird schnell das Kommentarfeld geöffnet oder vielleicht sogar ein Buch veröffentlicht, um mit aller Stärke gegen den als böse erkannten Feind anzupredigen.

Wir haben das zuletzt bei den G20 Protesten erlebt. Politisch vielleicht sogar nachvollziehbarer Unmut wurde hier in Gewalt kanalisiert, und damit den politischen Anliegen friedlicher Demonstranten massiver Schaden zugefügt. Unter Christen erlebe ich dies ebenso. Es gibt Themen, die den Werten von Christen bitter aufstoßen, gesellschaftliche Mehrheitsmeinungen eines zunehmend entchristlichten Wertecanons stehen gegen sie. Dieser polemisiert zudem immer selbstverständlicher gegen christliche Vorstellungen, die er wohl aus dem Kreis tolerierter Weltanschauungen katapultieren möchte. Leider lässt sich beobachten, dass sich auch Christen in der daraus ergebenen Aufregung dazu verleiten lassen alle Demut und Sanftmut weit hinter sich zu lassen. Und machen sich dadurch politisch instrumentalisierbar und schaden teilweise sogar ihren Anliegen.

Sanftmut beschreibt eine Lebensanschauung, die es ermöglicht auch in harten Zeiten und auch einem Gegner gegenüber sanft zu agieren. Diese Sanftheit erstreckt sich durch die gesamte Existenz des von ihr ergriffenen Menschen. Der Sanftmütige betrachtet sein Gegenüber mit milden, wohlwollenden Augen, versucht das Positive zu entdecken, das von Gott gewollte Potential herauszukitzeln. Er spricht Worte der Barmherzigkeit, die Mut und Vergebung zusprechen, erkennen lassen, dass ein jeder Mensch von Gott gewollt und geliebt ist, niemand je hoffnungslos verloren, immer ein Neuanfang möglich ist. Er handelt nicht nach dem Maßstab, was ihm selbst den größten Nutzen bringt, sondern versucht Wachstum um sich herum aufblühen zu lassen. Gerade auch in einer Führungsposition wird Sanftmut begleitet von Demut besonders benötigt. Geführt wird durch Vorbild, wer führen will muss das Dienen erlernen.

Diese Sanftmut wird gerade auch im Konflikt bitter benötigt. Denn was wollen wir in einem Konflikt eigentlich erreichen? Wollen wir uns durchsetzen und den anderen vernichten? Wollen wir dessen Eskalation weiter vorantreiben? Oder wollen wir einer wie auch immer gearteten Lösung näher kommen? Diese Lösung kann auch darin bestehen, anzuerkennen unterschiedlicher Meinung zu sein und diese Unterschiede nicht beseitigen zu können. Aber selbst diese Minimallösung wird nicht durch eskalierende sondern nur durch sanftmütige Vorgehensweisen erreicht werden. Der Sanftmütige lässt nicht seine Meinung unter den Tisch fallen, sondern er ist bereit das Wie so zu wählen, dass am Ende immer noch ein Neuanfang möglich bleibt, dass er selbst dem ärgsten Feind seine Würde lässt und immer genug Luft zum Atmen. Wer einen anderen Menschen mit dem Rücken an die Wand drängt, nimmt ihm jede Handlungsalternative, auch die der Umkehr, es bleibt nur jene des Kampfs. Diese ist aber keine christliche.

Sanftmut ist eine zentrale Eigenschaft im Handeln Jesus. Seine Liebe zu den Menschen war so elektrisierend und riss sogar Menschen mit, ihr ganzes bisheriges Leben zurückzulassen, die ihn erst wenige Minuten lang kannten.  Sein Heiliger Geist kann diese göttliche Sanftheit, die aus dem wohlwollenden, immer sich Rettung und Wachstum und Leben in Fülle wünschenden Willen Gottes für die Menschen herrührt, auch in unseren Herzen gedeihen lassen. Der Heilige Geist lässt uns die eigenen Sünden erkennen. Wie könnten wir dann noch hart mit anderen Menschen ins Gericht gehen, wo wir selbst dem eigenen Gericht so gnädig und nur haaresbreit entgangen sind? Die Frucht der Sanftmut ist eine besondere Frucht, an ihr konnte ich schon manchen wahrhaft geistlichen Christen erkennen, noch ehe der Glaube mit Worten bekannt wurde.

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4 Kommentare zu „Heilige Sanftmut

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  1. Eine tägliche Übung ist das, Du sagst es. Für mich sieht diese Übung so aus, das ich mein Möglichstes tue,oft zeigt sich, dass das nichts ändert und ich an meine Grenzen komme. Da ist dann das Eintrittstor Gottes, denn ich „übergebe mein Sein mit dieser Verwicklung Gott und bitte ihn:Schau es an mit Deinen liebenden Augen und wirke Du“. Es ändert sich etwas, manchmal auch ich.

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    1. Du hast Recht. Wenn man sein Möglichstes tut kommt man irgendwie nicht weiter. Aber wenn man es an Gott abgibt, dann passiert etwas. Für die Früchte des Heiligen Geistes gilt das Besonders, aus eigener Kraft endet das nur in Erschöpfung…

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