Sorgen abgeben

Im Gleichnis warnt Jesus vor den Sorgen des Alltags, welche den guten Samen ersticken und verhindern, dass ein Mensch Frucht bringen kann (u.a. Markus 4,19). Sie wirken lähmend und rauben die Kraft und ja sogar den Blick, welche es ermöglichen etwas auf die Beine zu stellen. Angst ist das gefährlichste Gift, es zerfrisst die Seele und bewirkt wie ein Fluch genau jenes Übel, das die Angst zum furchterregenden Monster aufgebaut hat.

Sollen wir aber dann denn überhaupt nicht mehr planen? Dieser Einwand kam nicht nur anderen sondern besonders mir, der von Beruf wegen darauf trainiert ist nichts dem Zufall zu überlassen und eine möglichst perfektionistische Organisation aufzubauen.

Aus eigener Erfahrung aber kann ich berichten, dass auch die raffiniertesten Prozesse und Strukturen scheitern und Fehler produzieren werden, wenn Angst oder Sorgen die treibende Kraft im Handeln der mit ihnen betrauten Menschen ist. Anders als die kalkulierte Vorsicht, die klever ist und intelligente Strukturen schafft, lenkt die Sorge vor der Zukunft ab, sie stiehlt eben jene Konzentriertheit, die man brauchte, damit es eben zu keinem bösen Ende kommt. Sie erstickt in der Tat jedwede positive Frucht, in dem sie den blauen Himmel mit ihren dichten Dornen verdeckt und die Luft zum Atmen raubt.

Dieser erstickenden Sorge entrinne ich am besten, wenn ich die Zukunft in jene Hände abgebe, die sie bereits kennen, in Gottes Hände. Der Faden zwischen Erfolg und Misserfolg ist oft so hauchdünn, dass ich unmöglich alle Faktoren kontrollieren kann, die das eine vom anderen trennen. Um überhaupt eine Chance zu haben muss ich meine Gedanken auf die Gegenwart fokussieren und konzentriert einen Schritt nach dem anderen tun. Wandern meine Gedanken bereits zur nächsten Kurve und dann direkt weiter zu der anschließenden Steigung, drohe ich zu stolpern, den Stein direkt vor meinen Füßen zu übersehen. Die steile Steigung habe ich mir vor der Wanderung bereits einmal angeschaut, mich darauf vorbereitet, das ist klug, aber jetzt, wenn ich mitten beim Wandern bin darf sie nicht mehr meine Sorge sein. Ich muss auf Gott vertrauen, dass er mich mit seinen Engeln beschützt, dass ich keinen Fuß an einen Stein stoße (Psalm 91). Ich gebe die zukünftige Steigung gedanklich an ihn ab … und weil ich das im Glauben tue, wird auch sie am Ende gelingen.

Erst kürzlich durfte ich das erleben. Solange mich die Sorge beherrschte, fand in mir keine Entwicklung, kein Fortkommen statt, stattdessen nur Fehler auf Fehler. Seit ich mich von dem Gedanken gelöst habe, mehr als den nächsten Schritt unter Kontrolle zu haben – und auch den nur in Grenzen – und das Gelingen im Großen und Ganzen  völlig Gott übergeben habe, verschwanden die Fehler und ich erntete endlich Früchte von meiner täglichen Arbeit.

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Veröffentlicht in Alltag, Blog

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