Christliches Menschenbild

Unsere Menschenbilder neigen zu zwei Übertreibungen, die beide dem Christen Versuchung sind und fremd bleiben müssen.

Ideologien, Philosophien und Religionen neigen gerne dazu sich entweder in allgemeine Menschenverachtung zu verlieren oder den Menschen als Götzen zum (falschen) Gott zu erheben. Beide Extreme sind uns nicht unbekannt, die Trennlinie kann dabei auch mitten durch eine Philosophie verlaufen und sogar ein Menschenherz zerschneiden.

Beiden Extremen muss das christliche Menschenbild in aller Nüchternheit und Kraft widersprechen. Der Mensch ist von Gott geliebt, Gott selbst wurde Mensch um sich mit dem Menschen zu versöhnen, aber der Mensch ist im Umkehrschluss nicht Gott oder Gott geworden.

Die Menschenverachtung ist die schwerwiegendere Sünde von den beiden. Es ist die Verfehlung Satans. Er klagt den Menschen auf Grund seiner vielen Fehler und Schwächen an und fordert Gottes Gericht über den Menschen – dabei häufig in Gestalt des Engels des Lichts, also äußerlich schön und „gut“ auftretend. Dieser Verfehlung  ist keine Hoffnung bescheinigt. Satans Schicksal ist der Feuersee (Offenbarung 20,10). Denn wenn Gott die Menschen liebt und sich mit ihnen am Kreuz versöhnen möchte, muss Menschenverachtung zwangsläufig Feindschaft mit Gott bedeuten. Menschenverachtung kann vielerlei Gestalten annehmen. Auf offensichtliche Weise erleben wir sie heute, wenn andere Menschen alleine auf Grund ihrer Herkunft herabgewürdigt und pauschal als Verbrecher oder minderwertig verurteilt werden. Sie kann sich auch in einem generellen Misstrauen gegenüber dem Menschen an sich zeigen, bis hin zur Paranoia überall Verschwörungen zu wittern. Aber es gibt auch eine fromme Form der Menschenverachtung, die sich in Weltflucht äußert und das Gebet des Pharisäers im Herzen trägt: „Ich danke dir Gott, dass ich nicht so bin wie diese Sünder“ (Lukas 18,11).

Die Menschenvergötterung begegnet uns in der Bibel in der Ursünde Adam und Evas im Garten Eden. Die große Verführung der Schlange bestand in dem Versprechen wie Gott zu werden (1. Mose 3,5). Diese Ursünde hat Gott jedoch nicht auf sich beruhen lassen, von ihr ist Heilung möglich am Kreuz, in dem großen Versöhner, dem Gottes- und Menschensohn Jesus. Sie hatte jedoch schwerwiegende Konsequenzen, vielerlei Übel und eine breite Spur aus Blut und Tod ziehen sich seither durch die menschliche Geschichte. Wo der Mensch sich selbst zum Maßstab aller Dinge erkoren hat, war Tyrannei und Unterdrückung oft nicht weit. Meist wurden einzelne Menschen wie der arische Herrenmensch oder einzelne Heldenpersönlichkeiten über Maßen herausgehoben und vergöttert. Man erinnere sich nur an den Pharaokult im alten Ägypten oder den Führerkult rund um Diktatoren. Die Menschenvergötterung kann aber auch in einem frommen Gewand auftreten, z.B. in entstellten linken oder humanistischen Ideologien, die in ihrer überspitzten Form blind wurden für die Sündhaftigkeit des Menschen und diesem übernatürliche Fähigkeiten der Selbstverbesserung und einen an sich gottgleich guten Kern zusprechen. Auch im religiösen geht man in die Irre, wenn einzelne Persönlichkeiten oder klerikale Schichten als besonders göttlich oder zu Stellvertretern Gottes erhöht werden oder man im Glauben um die Empfängnis Gottes Geistes blind für die nach wie vor präsente alte Natur des Menschen wird.

Christliches Menschenbild setzt den Mensch immer in Beziehung zu Gott. Dieser Gott ist sowohl Vater wie auch Sohn wie auch Heiliger Geist. Er ist der mystische, ewig andere Nicht-Menschliche, von dem wir nur erkennen und begreifen können, was er uns selbst durch seine Schrift, durch Jesus oder durch seinen Heiligen Geist offenbart. Es ist aber auch der in die menschliche Natur inkarnierte, vollständig Mensch gewordene, alle Sünden und Gottes Gericht auf sich genommene Gott, dem wir in Jesus begegnen. Er hat sein ewiges Ja zur Menschheit gesprochen und selbst das größte Leid und die größte Schuld der Menschen getragen. Und es ist der Heilige Geist, den wir in uns selbst empfangen, der aber nicht mit uns selbst identisch ist.

Die wahre menschliche Identität finden wir in der Menschenbejahung in Jesus Christus. D.h. wir erkennen, dass wir nicht Gott sind sondern nur seine Geschöpfe. Aber wir erkennen, dass Gott uns Menschen am Kreuz bejahte und zwar auf eine Weise, in der er selbst ganz das Menschsein angenommen und getragen hat.

Wir dürfen Gott in uns und im anderen Menschen begegnen, wir dürfen uns selbst und andere Menschen wohlwollend und liebevoll bejahen. Aber wir dürfen uns selbst und jene anderen Menschen nicht mit Gott verwechseln und können zu diesem liebevollen Ja nur in Gottes liebevollem Ja kommen, in dem wir uns mit all unseren Sünden und unserem Allzumenschlichen unter das Kreuz stellen.

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Veröffentlicht in Blog, Philosophie, Theologie
One comment on “Christliches Menschenbild
  1. PrüftAlles sagt:

    Ein sehr schöner Einstieg in das neue Jahr – oder ein gutes Ende des alten Jahres.
    Vielen Dank für diese ermutigenden und gleichzeitig ermahnenden Gedanken.

    Gefällt 1 Person

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