Menschliche Suche nach dem Sinn

Die Sehnsucht nach ihr steckt tief in der menschlichen Psyche verankert. Sinnsuche beginnt allerdings nicht erst bei der Frage nach dem Letzten, Absoluten, bereits viel früher werden ihre Spuren sichtbar. Die bloße Existenz all unserer Technologie ist eine sichtbare Manifestation des Wunsches Zusammenhänge verstehen zu wollen. Etwas im Menschen eröffnet ihm ein Reich von Fragen, er will mehr wissen als ihm von Natur aus mitgegeben ist, ein Stück über den eigenen Horizont hinausgehen, ihn nach hinten schubsen und sehen was dort auf ihn wartet.

Neugierde ist bereit im Kind angelegt, dort vielleicht sogar am stärksten. Aber nicht alle wachsen aus ihr heraus, für nicht wenige wird sie stetiger Begleiter werden. Ist das alles? Wie funktioniert dies? Wie hängen A und B miteinander zusammen? Warum bin ich hier? Wofür geschieht mir das? Die Fragen, die das Leben stellt, können sehr unterschiedlich sein, so unterschiedlich wie die Menschen nun einmal sind. Nicht auf alle finden wir immer oder sofort eine Antwort, das mindert die Wichtigkeit sie zu stellen nicht im geringsten.

Was sagt dieser Wunsch nach Sinn über den Menschen aus? Der Psychologe Viktor Frankl hat im Konzentrationslager die Beobachtung gemacht, dass Sinn so essenzieller Teil des menschlichen Wesens ist, dass man an seinem Verlust rasch identifizieren konnte, welcher KZ–Häftling als nächstes die Strapazen nicht überleben würde. Maslow hatte in seiner Bedürfnispyramide die Frage nach Sinn weit oben an der Spitze, bei der Selbstverwirklichung angesiedelt. Sie wäre dann aber nur „nice to have“, eine Erscheinungsform des typischerweise westlichen Menschen, der alle anderen, grundlegenden Bedürfnisse bereits befriedigen konnte. Nicht so Frankl, der gerade während des Verlusts aller fundamentalen Bedürfnisbefriedigung, mitten in der dunkelsten Stunde der Menschheitsgeschichte in der Sinnfrage etwas ebenso Existenzielles erfuhr wie es das Fleisch Brot oder ein bisschen Schlaf waren.

Auch im Altersheim konnte ich erleben, dass auf den Verlust einer Lebensaufgabe oft der rasche Verfall drohte. Nicht selten verstarb ein Ehepartner kurz auf den Tod des anderen oder kurz nach dem lange herbeigesehnten Jubiläum, eben dann wenn Sinn verloren oder erfüllt worden war und es nichts mehr gab, für das es sich weiter zu leben lohnte.

Was also sagt dieser stetig nach Sinn strebende und sich sehnende Kern der menschlichen Seele über uns Menschen aus? Selten ist es uns vergönnt hinter allen Dingen, die uns widerfahren, einen tieferen Sinn zu erkennen. Alltägliche Routine und die mannigfaltigen Aufgaben von Job, Familie, Gemeinde,… beschäftigen uns oft sogar so, dass wir ganz andere Dinge im Kopf haben als uns über diese den Kopf zu zerbrechen. Und dennoch ist tief Innen dieser pochende Drang, jene Fragen zu stellen.

Diese bloßen Fragen wiederum, die so kein anderes Tier – so weit wir das wissen – sich stellt oder auch nur zu stellen in der Lage ist, sagen etwas über uns aus: Wir sind ein auf Sinn hin geschaffenes Wesen, was sinnlose Ressourcenverschwendung wäre, sollte es unmöglich sein einen zu entdecken. Auf Grund unserer inneren Beschaffenheit lässt sich zumindest die Vermutung aufstellen, dass es einen solchen Sinn wirklich gibt. Diese Fragen zu stellen, bedeutet ein Mehr hinter der Welt zu ersehnen, dass bloße Existenz für sich noch nicht das Leben in seiner Fülle fassen kann.

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Veröffentlicht in Blog, Theologie
One comment on “Menschliche Suche nach dem Sinn
  1. Ich habe Viktor Frankls Buch ebenfalls gelesen und es hat mich zutiefst bewegt. Das Leben mit einer chronischen und komplizierten Erkrankung ist nicht immer einfach zu bewältigen und es wäre gelogen würde ich behaupten, es gebe da nicht auch Tage an denen sich das Leben sinnlos anfühlt. Schmerzen, Angst und alles was ansonsten noch zur Erkrankung mit hinzu gehört sind schlimm und manchmal auch nicht leicht zu ertragen, aber am schlimmsten sind die Tage an denen ich das Gefühl habe, dass mir der Sinn im Leben abhanden gekommen ist.

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