Von geschenkter Geduld …

„Lieber Gott, ich bitte dich, schenke mir Geduld … und zwar sofort.“

So oder so ähnlich mag unser frommes Gebet gerne rüberkommen. Geduld ist jene Frucht des Heiligen Geistes, bei der es mir am leichtesten fällt zu begreifen, dass sie nicht aus eigener Anstrengung kommen kann. Geduld ist quasi das Gegenüber zum Aktivismus und der Sucht nach Kontrolle, die mich häufig antreiben. In der Praxis herrscht von mir aus selten Geduld, alles wird fünf Mal überprüft, dass auch ja kein falsches Resultat herauskommt, alles will geplant und beherrscht sein … das gilt dabei ebenso von der Zeit. Warten auf ein Ergebnis, nicht viele besitzen diese Fähigkeit.

Geduld ist allerdings eine der entscheidenden Anforderungen, die ein Anhänger Jesu auszeichnet. In der Adventszeit wird dies besonders deutlich: Wir sind Wartende, im Advent warten wir auf die Geburt des Christuskinds, in der Gegenwart warten wir auf seine Wiederkunft und die letztendliche Erlösung seiner Schöpfung. Jesus verknüpft Glauben mehrfach mit Geduld, ob es im Gleichnis der klugen und törichten Jungfrauen ist, bei seinen Jüngern im Sturm, beim Säen der guten Botschaft und dem Warten bis der Same aufgegangen ist und geerntet werden kann oder in der Aufforderung an seine Jünger in Getsemani mit ihm wach zu bleiben.

Das Warten des Jesus Anhängers ist dennoch ein Warten anderer Kategorie. Es ist kein Warten ins Ungewisse hinein, sondern das geduldige Erwarten eines gewissen Schicksals. Gott hält seine Versprechen. Es ist auch nicht zwingend etwas Passives, wie im Wartezimmer, gezwungen untätig auf das Ende hin auszuharren. Die Geduld des wartenden Christen kann sich je nach Führung des Heiligen Geistes auch mitten in Aktionen äußern. Vielleicht führt der Heilige Geist uns in eine sehr ereignisreiche Situation hinein, welche von uns vielerlei Handlungen und Entscheidungen abverlangt. Die Geduld besteht dann darin an diesen Handlungen und Entscheidungen nicht zu verzweifeln, sondern Vertrauen darin zu haben, dass auch im Verlust des Gesamtüberblicks, Gott die Situation weiterhin im Griff hat und uns durch sie und unsere Entscheidungen sowie Aktionen hindurch begleitet.

Geduld ist eine schöne Frucht des Heiligen Geistes, weil sie – ob wir uns in stürmischer See oder in einem langweiligen Wartezimmer befinden – inneren Frieden schenkt und die Gewissheit, dass wir nicht alleine sind sondern alles seinen Sinn und Zweck, sein wozu haben wird. Geduld schneidet unsere Perspektive von Zeit zurecht, die eben relativ ist.

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