Gnade zeigen?

Muss ich es in Ordnung finden, dass in einer auf Leistung getrimmten Gesellschaft Fehlleitungen gnadenlos bestraft werden? Wenn aber auf der anderen Seite Gnade bedeutet, dass andere und nicht zuletzt ich selbst die Fehler ausbaden müssen.

Mir schmeckt dieser zweite Gedanke nicht, weil ich am besten weiß, wie schmal die Grenze zwischen Erfolg und Misserfolg ist.

Geht es denn anderen nicht so? Kennen sie diese Grenze nicht? Sind die einen immer auf der gewinnenden Seite, vielleicht Dank fester Strukturen und über Jahre antrainierten Pfaden, immer auf der sicheren, jener des Erfolgs, wenn auch ohne Genialität oder Kreativität. Die anderen dagegen fallend, im Teufelskreis des Misserfolgs immer weiter herabsinkend, bis nichts mehr – und sei es noch so klein und einfach – noch gelingen will,

Es muss doch noch ein anderer sehen, wie dünn die Grenze zwischen den beiden Seiten ist, wie leicht man sie überschreiten kann, zum Misserfolg sogar noch einfacher als umgekehrt, bereits eine kleine Magenverstimmung kann der sicher geglaubten Routine einen Fehler nach dem anderen entlocken.

Leben wir alle nicht aus Gnade? Aus der Gnade aller, die unsere Fehler vergessen und nach dem Guten in uns suchen. Wollen wir es dann nicht ebenso tun? Aber wo ist die Grenze jenes gutgemeinten Strebens, welchen Fehler können wir nicht mehr verzeihen und wenn auch nur aus beruflichem Selbstschutz?

Ohne die Gewissheit der göttlichen Gnade in Jesus wüsste ich manchmal nicht, wie ich den Tag überstehe, der so viele Möglichkeiten des Scheiterns bereithält. Da spreche ich nicht nur vom Beruflichen, ebenso den falschen Worten, die ich meiner Frau gegenüber äußere, oder jenen richtigen, die mir nicht über die Lippen kommen, der vergeudeten Zeit, die ich nicht mit meiner Familie teile, den vielen tausend Arten einen anderen Menschen misszuverstehen.

Was wäre das gerechte Urteil über mich oder überhaupt alle Menschen? Eine Studie kam einst zum Schluss, dass Depressive sich und andere Menschen oft weit realistischer einschätzen als der Ottonormalbürger, eben ungeschönter. Das gerechte Urteil wäre ein grausames! Und so grausam urteilen wir oft über andere. Das gerechte Urteil ist ein grausames, wenn da nicht die Gerechtigkeit Gottes wäre, die da lautet Gnade in Jesus Christus. Diese Gerechtigkeit will ich haben, nur sie führt zum Leben.

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6 Kommentare zu „Gnade zeigen?

Gib deinen ab

  1. Ich habe bislang trotz oder vielleicht auch gerade wegen einiger Schwierigkeiten in jungen Jahren eine Menge „Glück“ gehabt, so nennt man das landläufig. Als ich erkannte, wie viele verschiedene Faktoren zusammen spielen müssen, und das dieses alles andere als selbstverständlich ist, wurde ich dankbar, für das, was ich habe.

    Gnade? ja, so nennt man das. Wobei da immer mitschwingt, eigentlich hättest Du etwas ganz anderes verdient…. Was wieder mehr über mich aussagt, als über den, der Gnade gewährt 🙂

    Guten Morgen Dir.

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  2. In der Arbeitswelt ein schwieriges Thema
    Ich habe oft erlebt und erlebe noch immer, dass manche Menschen ständig was falsch bzw gar nicht machen und dafür gar keinen Ärger kriegen
    Wo ist die Grenze zwischen den normalen menschlichen Fehlern und schlicht nicht ausreichender Arbeits-Leistung?
    Muss man andere mit durchziehen auf Kosten anderer die dann die Arbeit machen?

    Davon ab erinnere ich mich selbst wieder und wieder :
    Jeder lebt auf eigene Rechnung
    Wenn einer Mist macht ist das sein Mist
    Ich glaube daran, dass jeder erntet was er säht
    Früher oder später
    Das einzige was mich zu interessieren hat :
    Wenn ich jetzt erführe Ich muss jetzt sterben, kann ich dann sagen „Es ist okay?“
    Bin ich mit mir im Reinen ?
    Alles andere ist NICHT meine Aufgabe – nicht das Leben anderer Menschen und nicht zu bewerten und zu beurteilen – was gut oder schlecht ist, was Recht oder Unrecht

    Alles Liebe ❤

    Gefällt 2 Personen

    1. Das sehe ich eigentlich genauso. Und trotzdem tut mir manch einer Leid. Nette Person, auch bemüht, aber…

      Und irgendwie muss ich ja im Arbeitsleben ständig urteilen. Das ist ja irgendwo mein Job. So ziemlich alles andere kann ich auch einem Roboter beibringen, nur das Beurteilen nicht

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