Wann ist ein Gottesdienst ein Gottesdienst?

Seit wir eine Hausgemeinde haben treibt mich diese Frage immer wieder um. Wir passen die Art und Weise, wie wir Gottesdienst feiern, häufig der Situation entsprechend an. Mal ist sie näher an anderen Kirchen, mal tritt alles bekannte wie Predigt, Lobpreis, Bibelstudium vollkommen in den Hintergrund.

Eine pauschale Antwort auf die Frage, wann es sich um eine echte Gemeinde oder einen echten Gottesdienst handelt, habe ich noch nicht gefunden. Wie viel Liturgie braucht es, wie viel Heiliges und Frommes, um auch als Dienst an Gott zu gelten? Meine Frau ist hier oft der Ansicht, dass Gott eine gute Beziehung untereinander und eine positive Erziehung unserer Tochter mehr gefallen als wenn ER in frommen Sprüchen 50 Mal erwähnt wird.

Auf der anderen Seite sind mir gewisse spirituelle Begegnungen mit ihm, gerne auch in einer entsprechenden Atmosphäre, durchaus wichtig. Ich mag auch mal Meditieren,  Theologisieren, ja ich komme aus der Landeskirche und mir haben sogar die alten Kirchenlieder und die Liturgie gefallen. Doch sehe ich bei einigen Kirchen wiederum eine zu erzwungene Art des sonntäglichen Gottesdienstes, wodurch eine lebendige Authentizität verloren geht, ohne die all das jedoch doch nur eine Show bleibt und blind macht für die echten Anliegen und das tatsächliche Leben der Gemeindemitglieder. Albert Schweitzers berühmten Spruch, der dazu antreiben wollte lieber praktisch im täglichen Tun tätig zu werden, würde ich sofort unterschreiben:

„Wer glaubt, ein Christ zu sein, weil er die Kirche besucht, irrt sich. Man wird ja auch kein Auto, wenn man in eine Garage geht.“

Vielleicht gibt es ja nicht die eine Art Gottesdienst zu feiern. Und sowieso ist Gottesdienst unser Leben und nicht der Sonntag. Wozu dient allerdings dann der Sonntag, was ist ein gelungenes Gemeindetreffen? Nicht um damit eine menschliche Tradition zu füllen, sondern mit dem Ziel mich geistlich zu bereichern und Gottes Wille näher zu kommen? Vorschläge?

 

 

 

 

 

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7 Kommentare zu „Wann ist ein Gottesdienst ein Gottesdienst?

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  1. Hi 🙂 Gottesdienst kann so Vieles sein: eine Begegnung zwischen Freunden, man spricht über die Nöte, die wir haben oder über ein Thema, was uns beschäftigt. Und einer sagt, bevor wir auseinandergehen noch: „Wollen wir noch füreinander beten?“ / wenn man sich mit Barmherzigkeit begegnet/ wenn einer jmd anderem hilft usw. Geflasht hat mich die Bemerkung einer Freundin, mit der ich zusammen Frauen in Bordellen besuchte: „Ich erlebe auf unseren Gängen und bei den Frauen die Gegenwart Gottes viel mehr als in unseren Gottesdiensten. Das ist zur Zeit mein Gottesdienst!“ Ich weiß aber auch einen „normalen“ Gottesdienst zu schätzen. Er wird für mich zu einem Gottesdienst und nicht zu einer Pflichtveranstaltung, wenn Begegnung stattfindet. Begegnung zwischen Gott und mir, zwischen anderen und mir und manchmal auch, wenn ich beobachten kann, dass andere Jesus begegnen.

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  2. Rituale sind, entgegen der Meinung vieler Christen nicht für Gott da, sondern für die Gläubigen. Gott bedarf keinerlei Rituale. Ihm reicht als Kriterium einer Versammlung die bereits angesprochenen zwei oder drei in Seinem Namen Versammelten.

    Sind aber Gottesdienstformen und -rituale lediglich als Stütze für die Menschen da, so sind solche Formen immer so lange gut und halt auch sehr individuell, solange sie helfen sich auf Gott zu konzentrieren und kein falsches Gottesbild vermitteln. Sobald es bei den Ritualen aber mehr und mehr um sie selbst geht, werden sie zunehmend zu einem Hindernis in der Kommunikation und der Gemeinschaft mit Gott. Das wird um so schlimmer, desto mehr Gläubige sich an solche Rituale binden.

    Gegen besondere Zeiten der Besinnung ist nichts einzuwenden. Wir finden im NT das auch Jesus solche Zeiten immer wieder suchte. Wir finden im NT auch die Aufforderung solche Zeiten gemeinsam zu verbringen. Zeiten der Anbetung, des Gebets, der Besinnung und der Widmung der biblischen Lehre. Wie genau eine Gruppe diese Zeiten gestaltet, ist ihnen weitgehend überlassen. Eben in den oben genannten Grenzen. Ein Richtig oder Falsch, Schlechter oder Besser gibt es hier kaum.

    Ich wünsche uns die innere Freiheit die verschiedensten Formen von Versammlungsfrömmigkeit genießen zu können und sie alle als gut zu empfinden, solange sie uns helfen Gemeinschaft untereinander und vor allem die Gemeinschaft mit Gott zu fördern.

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