Das Jenseits radikal diesseitig lebend

Unser Gott ist ein ferner, für uns unerreichbarer Gott, den wir mit menschlichen Sinnen nicht erfahren, den unser Verstand nicht verstehen oder erklären kann. Er ist das Gegenüber zu unserer Welt, wie wir sie kennen, ihre Aufhebung, unsere Vernichtung im Gericht, dessen Urteil der Tod ist, und die Auferstehung von den Toten in einer neuen Menschheit, einem neuen Himmel und einer neuen Erde.

Aber unser Glaube ist kein jenseitsorientierter Glaube. Gott tangiert diese Welt nicht nur am Rande, er inkarnierte in sie und schüttete seinen Geist aus an Pfingsten. Er ward Mensch und kam in die Menschen. Der unverständliche Gott gab uns – sich offenbarend – eine Sprache, mit der wir etwas über ihn sagen können, obwohl es doch eigentlich unaussprechlich ist.

Die Bibel neigt nicht zum reinen Jenseits-Glaube. Im Gegensatz zu sonstigen Religionen gibt es kaum biblische Beschreibungen vom Himmel oder dem Totenreich, bestenfalls vereinzelte Gleichnisse. Stattdessen bunte Erzählungen der Geschichte des jüdischen Volkes mit ihrem Gott, der Wundertaten Jesu sowie die Missionsreisen seiner Apostel. Alles Geschehnisse auf der diesigen Seite der Todeslinie. Dem gegenüber setzt die Bibel das Bilderverbot als Gebot und Jesus erklärt seinen Fokus aufs Diesseits mit den Worten: „Glaubt ihr nicht, wenn ich euch von irdischen Dingen sage, wie werdet ihr glauben, wenn ich euch von himmlischen Dingen sage?“ (Joh 3)

Die Andersartigkeit Gottes, seine Unverständlichkeit und das darin enthaltene Geheimnis, das allen Menschen auf dieser Seite verborgen bleiben muss, wird zur Erklärung der radikalen Diesseitsorientierung der Bibel. Denn wie sollte sie von etwas erzählen, für das es vermutlich nicht einmal menschliche Worte gibt, es zu beschreiben?

Das bedeutet aber beides ist Realität. Die Radikalität des einen wird von der Unbeschreiblichkeit des anderen aufgerichtet und getragen. Die Unbeschreiblichkeit des Himmlischen hebt am Ende siegreich das Irdische auf, aber nicht indem es dieses beseitigt, sondern im neuen Himmel und der neuen Erde, indem Gott in der Synthese der Gegensätze ein neues Level schafft.

Gedankenstrich

Gott, ach du bist so fern und doch so nah. Wie kann ich beides sagen?

In meinem alten Geist bist unbegreiflich, in Christus aber werde ich neu und kann dir begegnen, dich erleben ganz persönlich. Das bleibt ein Geheimnis, das auch dann wahr ist, wenn ich es gar nicht sehe.

Ergießt du in mir deinen Geist, so vergeht das alte, da werde ich mehr ich selbst als ich – gefangen in der Sünde – zuvor je gewesen bin. Esse ich deinen Leib und trinke ich dein Blut, spüre ich ganz radikal das Geistliche im Körperlichen.

Schenke mir Augen, die über das Sinnesorgan hinausgehen und doch ihm entspringen. Leib und Geist seien verbunden in dir, wie eines Tages alle Trennung überwunden sein wird.

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