Jesus: Wie war er wohl?

Wie war er wohl? Welch Stimme hatte er, war sie tief oder eher weich wie ein Windhauch? Es ist nachvollziehbar, dass so viele Strömungen von Doketismus bis Islam,  sich nicht vorstellen können, dass Gott sich einen Körper suchte.

Das Unglaubliche aber daran ist, wie ich finde, gar nicht, dass Gott leidet oder sich zu „niederen“ Bedürfnissen herablässt. Es ist ein menschlicher Gedanke, der den Körper für minderwertig und die Materie für nichtig hält. Das tut der Mensch auf Grund der Vergänglichkeit, die er mit all diesem verbindet. Gott aber tut dies nicht.

Das Unglaubliche daran ist doch wohl, dass Gott sich auf eine Gestalt festlegen musste. Jesus hatte ein bestimmtes Aussehen, er konnte nicht hell und dunkel zugleich sein, er hatte eine bestimmte Stimme, ja sogar einen ganz bestimmten Geruch. Gott, der alles sein konnte, musste sich für eines entscheiden. Wie kann Gott, der den Menschen ohne Ansehen der Person richtet, das eine dem anderen bevorzugt gewählt haben? Wie konnte er sich überhaupt entscheiden?

Es ist unglaublich, dass Gott das eine und nicht das andere war, dass er sich auf etwas Bestimmtes geschichtlich, fleischlich festlegte und dieses und nichts anderes zur Offenbarung seiner selbst wählte, ganz bewusst wissend, dass jede Form, die er wählte ihn auf etwas festnagelte und damit seiner wahren Natur niemals auch nur im geringsten gerecht werden konnte, in dieser Ungerechtigkeit Anstoß erregen konnte, all jenen, die nur einen hellhäutigen Gott oder eine Frau, keinen Juden und schon gar nicht diese Stimme sich vorstellen können, mit dem Gewählten Negatives assoziieren.

Und doch hat er genau das getan.

So  ich sitze hier und frage mich im Schein der Lampe, wie er wohl gewesen ist. Was den Jüngern so nahe war, dass sie kein Wort darauf verschwenden mussten, lässt meine Gedanken fliegen. Wie hat er wohl geklungen, wie gelacht? Was war das für ein Ausdruck in seinen Augen, welche Gestiken seine liebsten. Waren seine Schritte schwer, sein Griff stark oder hatte er die Finger eines Künstlers? Welches Fleisch war es wohl, in das er kam?

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8 Kommentare zu „Jesus: Wie war er wohl?

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    1. Es sagt etwas über Gott aus und ist damit sehr wohl relevant. DAS ist der entscheidende Unterschied des christlichen Glaubens: Gott ist Mensch geworden. Nicht nur in einem Scheinkörper sondern ganz und gar.

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      1. Ja, wenn man daran glaubt, dass Gott es nötig habe, als Mensch aufzutreten, dann mag das richtig sein. Das meinen ja die „Christen“. Aber es könnte auch sein, dass Gott in ALLEN Menschen ist, zumindest in denjenigen, die an IHN glauben. Dann wäre die Frage nach Details über Jesus irrelevant. Jesus war ein großer Prophet. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Daran glaube ich, und in diesem Glauben bin ich nicht allein.

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      2. Das eine schließt das andere nicht aus. Im Hl. Geist käme Gott auch nach christlicher Vorstellung in alle, die an ihn glauben. Diese bezeichnet Paulus dann als „in Christus“ lebend.

        ABER Ihr Konzept ist ja am Anfang angeschnitten: Der Unglaube, dass Gott gerade in dieser einen Person Jesu Mensch geworden ist. Ich habe jetzt nur den Doketismus und Islam als mögliche Vertreter dieser Anschauung genannt, welche die beiden Extreme abdecken. Der Doketismus leugnet Jesus Menschlichkeit weil Gott in platonischer Vorstellung nicht körperlich vorstellbar ist. Der Islam aus ähnlichen, aber etwas anderen Gründen leugnet Jesus Göttlichkeit. Das lässt sich noch um andere Religionen und Ihre Position erweitern.

        Es ist unglaublich, aber tiefe christliche Überzeugung

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      3. @ Berndt-Baumgart

        „Jesus war ein großer Prophet. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Daran glaube ich, und in diesem Glauben bin ich nicht allein.“
        Ganz sicher nicht. Es gibt ca. 1,5 Milliarden Muslime weltweit und im Islam gilt Jesus auch als großer Prophet.

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  1. Die Ausgangsfrage, wie Jesus denn wohl wirklich war, habe ich mir auch schon oft gestellt.
    Jesus als Inkarnation Gottes anzusehen, ist etwas, was manche Menschen glauben, ich z. B. auch. Weitergehende Vorstellungen wie die, dass dann ja ein Gott im Himmel darüber nachgedacht habe, in was für einer Art Körper er sich denn wohl inkarnieren wolle, halte ich für zu sehr vermenschlichend. Ich denke dann sofort an das hier: „Gott ist im Himmel und du auf Erden; darum lass deiner Worte wenig sein.“ Pred. 5,1

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    1. Ja ist natürlich ein vermenschlichter Gedanke.

      Aber bereits die Vorstellung, dass Gott sich für eine Variante entschieden hat bringt das Gottesbild vieler in Wanken und sagt etwas über Gott aus.
      Gott muss gewusst haben, dass er sich damit selbst ein Bildnis seinerselbst schafft, das fehlverstanden werden kann und das manche abstoßend oder ausgrenzend finden und damit ihn ausgrenzend finden (weil z.b. männliches Bildnis) obwohl er selbst das ja gar nicht vollständig ist (Gott selbst ist ja nicht geschlechtlich)

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  2. Dass Gott sich Gedanken gemacht hat über sein „Aussehen“, ist ein interessanter Gedanke. Warum nicht? – Immerhin scheint die Person, in der er kam: Jesus – als Sohn armer Leute – als Flüchtling – einer aus Nazareth – Sohn einer Jungfrau – als Tischler – als Jude – eher dunkelhäutig – und eben nicht als Sohn eines menschlichen Königs oder eines Priesters usw. – ja auch nicht ganz unwichtig zu sein. Den körperlichen Aspekt finde ich wichtig. Auch weil wir körperlich sind, und trotzdem Jesus in uns tragen: sein Leben und seinen Geist. Was für ein unfassbarer Gedanke. 🙂

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