Jetzt sei doch Stille, du Seele

Gehetzt von einem ins andere jagen, als wäre man auf der Flucht. Die Zeit rast links und rechts vorüber, sie will nicht verweilen. Stets und in jedem Augenblick zwei Ziele vor Augen, mindestens zwei ungelesene E-Mails, zwei Anfragen, zwei Anforderungen von Frau und Kind, zwei Alternativen, aus denen ich wählen kann, muss, jetzt, auf der Stelle, damit es nicht schon gleich vier und dann acht, sechszehn, zweiundreißig… werden. Mein Herz rast, wie bin ich da gelandet?

Am Silvester-Gottesdienst habe ich eine Losung gezogen, die mir zu diesem Zeitpunk so banal schien, dass sie mich fast ärgerte. Sie ärgerte mich, weil sie so simpel zu mir passte, dass ich schon dachte, ich hätte mir jetzt von Gott etwas tiefgründigeres erwartet, etwas, das ich nicht schon selbst wusste. Aber es ist ein wichtiger Spruch und seither stets mein Begleiter:

Sei nur still vor Gott, meine Seele:

Denn ER ist meine Hoffnung

Psalm 62,6

Es sind diese einfachen Erinnerungen an das Wesentliche, die einen wieder zurückholen. Das ganze letzte Jahr war sehr stress- und arbeitsreich. Aber bis vor zwei Wochen habe ich es nicht als Stress empfunden, ich schwebte wie im Rausch, weil ich gut war, in dem, das ich tat, weil ich die Dinge unter Kontrolle hatte, etwas bewegen konnte und positiv wahrgenommen wurde. Was hat sich geändert? Es ist real geworden. Das letzte Jahr war Vorbereitung und jetzt wird eingeführt, woran gearbeitet wurde. Weil durch die positive Wahrnehmung mich plötzlich über die Abteilungsgrenzen hinaus Leute kennen und zu mir kommen. Aber ist es nur das? Da ist noch mehr. Ich denke im Rausch war ich auch etwas betäubt für mich selbst, wenig achtsam auf mich selbst. Gewisse Empfindsamkeiten wurden zeitweilig zurückgestellt, aber eben nur temporär … bis das Projektziel erreicht ist. Das bröckelt nun. Da das Ziel erfüllt wurde, nimmt sich mein Innerstes wieder Raum, will mehr, meine innere Sensibilität kehrt langsam zurück. Auch im Positiven, so kehrt auch meine Sensibilität für Gott wieder zurück. Aber nun stecke ich in einer neuen Situation, mit zweitem Kind vor Augen und neuen beruflichen Herausforderungen, deren Tempo ein höheres ist, das erreichte Ziel wird nur eine Zwischenstation sein, noch viele Details sind zu implementieren. Diesen Herausforderungen gewachsen zu sein, ohne sich selbst zu verlieren, ohne das wirklich wichtige, Familie, Glaube, zurückzustellen, dafür brauche ich Gott. Darum nun ganz ohne Druck, in der Hoffnung und nicht der Verzweiflung: Werde Stille meine Seele zu Gott, Jesus schenke mir deinen Frieden.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: