#notjustsad

Meinen Bruder hat sie in eine Klinik verwiesen, mein Großvater hat sie nicht überlebt, noch zwei weitere direkte und indirekte Verwandte sind an sie oder an eine ihrer Geschwister geraten, mein Kollege kennt sie, drei Freunde, zwei davon in meinem Alter, mussten ihre Bekanntschaft machen. Mit dieser Fülle an Begegnungen scheint sie mir allgegenwärtig. Die Depression.

War sie schon immer so groß, wurde lediglich unter dem Deckmantel des Schweigens versteckt? Oder ist diese Volkskrankheit in der heutigen Zeit besonders stark geworden? Wie konnte sie unsere Gesellschaft nur so für sich gewinnen? Fast kein Ort, keine Familie, die noch nichts von ihr wüsste. Ein finsterer Schatten liegt auf der Seele unseres Lands.

Wir müssen nicht erst in eine Hölle geworfen werden, die eigene Seele kann zur größten Hölle werden. Wo kein wärmendes Licht mehr auf sie scheint, ganz in düstere Nebel getaucht. Ist das nicht wahre Gottesferne? Sünde nicht als Schuld oder überhaupt Tun verstanden, hält die Kälte einer Gnade nicht kennenden, in Krankheit verfinsterten Psyche gefangen. Hosanna, befreie! Reiße heraus aus der Grube. Hilflos, ratlos rufe ich in die Nacht hinein, mitten am Tag.

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4 Kommentare zu „#notjustsad

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  1. Mir scheint, dass der Zustand unserer Erde mit dazu beiträgt, dass Menschen nicht froh werden und sein können. Ist ja auch verständlich, Mutter Erde leidet und wir ihre Kinder können nicht froh werden… . Es ist wohl auch ein Versuch ganzheitlich zu gesunden.

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  2. Starker Text. Erfreulich kurz. – Schuld, nein, Mit-Verantwortung für unsere Umgebung und auch unsere Geschichte. Nur ein Materialist hält nichts von „den Seelen der Verstorbenen“, die uns umgeben. Und wieviele davon sind um uns, angesichts unserer deutschen Geschichte? Wieviel Raub und Mord wollen durch in die Tiefe gehen, durch „grübeln“ (Grube!), durch Ergründen erst aufgedeckt werden! –
    Ihr habt vielleicht Nerven, ihr, die ihr Pillen verschreibt und das vertiefte Bedenken unserer Geschichte chemisch übertüncht. Und noch weiter gefasst, der Raub an den indigenen Völkern Süd-Amerikas, der erst den Reichtum der abendländischen, sich christlich nennenden Kirche begründete.

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    1. Als Nicht-Materialist vermute ich auch eine tiefere geistliche Ursache. Welche genau überlasse ich weiterem Nachgrübeln.
      Interessant finde ich, dass selbst säkulare Traumaforschung inzwischen Theorien hat wie ünbearbeitete Traumata von Generation zu Generation weitergegeben werden können und uns damit gewissermaßen die Geister der Vergangenheit immernoch nachjagen.

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