Optimism Bias

Wir sind wohl in unserer Mehrheit dazu angelegt die Zukunft verzerrt wahrzunehmen, zum Positiven verzerrt. Das gilt ganz besonders für existenzielle, aber unkontrollierbare Aspekte unserer eigenen Sterblichkeit. Wir hören zwar schon früh im Leben von Diesem oder Jenem, der plötzlich mit Herzinfarkt einfach umgefallen ist oder der beim Motorradunfall ums Leben kam. Eine Verknüpfung zu unserem eigenen Leben stellen wir nicht her, können wir gar nicht. Unser Gehirn, zumindest der meisten Menschen, schützt uns davor, getragen von den kleinen Lügen, die man seinem Kind einflüstert. Dem auch ich zuspreche „Dir kann nichts passieren“, wenn sie zum ersten Mal ihre eigene Verletzlichkeit wahrnimmt und Angst bekommt.

Die Wirklichkeit würde bedeuten zuzugestehen, dass es uns alle jederzeit, an jedem Ort treffen kann. Nicht alle bei allem mit der gleichen Wahrscheinlichkeit, aber gewiss ist nur die Ungewissheit des wann und wie. Es kommt daher sogar vor, dass Menschen mit Depressionen die Welt und ihre Gefahren realistischer einschätzen als gesunde Menschen.

Umso schockierender, wenn die Wirklichkeit in Form einer Panedmie ihren Weg zurück in unsere Erlebniswelt findet, auf eine Weise, der ich nicht so leicht entfliehen kann. Umso erstaunlicher, wie wir es trotzdem schaffen diese in Verschwörungsmythen oder anderen Ablenkungen wieder fern zu halten, unseren zum Optimismus verzerrten Schutzraum zu sichern, komme was wolle.

Ist Religion damit nicht ein natürliches Produkt, das uns auch gegen den unumgänglichen Schock, den Verlust der eigenen Eltern, einen Schutzraum vor der letzten, unentfliehbaren Gewissheit des eigenen Todes bietet? So sehr ich mich auch vor Wahrscheinlichkeiten kleiner 100% in Illusionen flüchten kann, ich entkomme nicht der einen Tatsache, dass noch nie ein Mensch nicht gestorben ist. Außer einer … von dem wird mir von der Religion erzählt, um nicht an dieser letzten Gewissheit meines eigenen Todes zu verzweifeln.

Ist es so einfach?

Oder ist da noch mehr…

2 Kommentare zu „Optimism Bias

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  1. Ich kann der Analyse zustimmen und finde sie auch nicht „einfach“, sondern treffend. Auch dass Jesus gestorben und auferstanden ist, mag zwar eine „einfache“ Wahrheit sein, aber keine einfach zu übernehmende – wie die geringe Anzahl derer zeigt, die diese „Erzählung“ als Wahrheit anzuerkennen bereit sind. Insofern empfinde ich christlichen Glauben auch nicht als ein „natürliches Produkt“, sondern als Geschenk; also nicht als etwas, was sich ganz natürlich, aus dem Menschen selber kommend diesem nahelegt, sondern was ihm im Gegenteil von außerhalb seiner selbst, von dem her, was wir „Gott“ nennen, nahekommt.

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