Du sollst nur noch säkulare Sprache verwenden

Braucht es eine neue unreligiöse Sprache, um christliche Inhalte zu vermitteln? Die meisten Menschen fangen mit Gott, Jesus und Heiligem Geist nichts mehr an, noch schlimmer verbinden mit ihnen negative Assoziationen, die Menschen von dem wegtreiben, das eigentlich beabsichtigt werden soll.

Ich sehe das nicht so. Ich kann mir diese Begriffe nicht wegdenken, weil sie nicht gleichwertig ersetzbar sind und weil sie zu sehr Teil meines digitalen Glaubenslebens sind.

Richtig aber ist, dass ich mich in die Gedankenwelt des anderen hineindenken muss und es auch auf andere Wege beschreibbar machen. Ich kann nicht meinen Glauben und die darin gegründeten Überzeugungen ohne Weiteres auf andere übertragen. Ich muss versuchen einen gemeinsamen Nenner zu finden, der ohne den Holzhammer des göttlichen Befehls verständlich ist.

Umgekehrt finde ich aber, dass ich dieses Hineindenken auch von meinem Gegenüber erwarten kann, sofern ein wirkliches Interesse an einem Gedankenaustausch und kein Schwanzvergleich der Weltanschauungen stattfinden soll. ICH bin schließlich der Kontext, in dem diese Worte fallen, nicht Missbräuche der Kirche oder die Zeit der Hexenverbrennung. Was will ICH damit sagen? Wer Ohren hat, der höre…

14 Kommentare zu „Du sollst nur noch säkulare Sprache verwenden

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  1. In Gesellschaft, so sie denn unvermeidlich, schweige ich öfter, weil mir die Lust am Austausch abhanden gekommen ist. Und nein, es braucht keine „neue Sprache“, die alte reicht völlig aus. Ein wenig mehr Respekt voreinander sollte reichen…

    L.G., Reiner

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    1. Na dann nochmal:
      Ich finde, dass du auf deinem Blog eine sehr verständliche Sprache nutzt.
      Den „Schwanzvergleich“ finde ich klasse. Auch Luther hätte seine Freude dran gehabt. 🙂

      Leider stelle ich immer wieder fest, dass diverse Christen derart „Frommsprech“ nutzen, dass sie sich selbst untereinander nicht mehr wirklich verstehen. Da ist alles mögliche so „gesalbt“, „gesegnet“, „im Herrn“, es geht um „Jüngerschaft“ ( wo dereinst der Komiker Otto schon nachfragte: Was, noch jünger?“), etcpp ……… brrrrrr 😦
      Da werden Floskeln verwendet, deren faktischer Inhalt eigentlich nicht geklärt ist oder die sich alleine auf Interna beziehen, von denen ein Außenstehender schlicht nichts wissen kann.
      Eigentlich ist dagegen wenig einzuwenden. warum sollten zB Jäger, Handwerker, und andere alleine ihre Spezialsprachen verwenden und die Christen nicht.
      Doch in der Kommunikation geht es um Sprache die verstanden werden muss. Versteht mein Gegenüber mich nicht, erreiche ich nicht was ich will.

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      1. Danke für das große Lob 🙂

        Dieses Frommsprech hat mich am Anfang auch immer gestört, weil ich den Eindruck hatte, dass nicht nur ich es nicht verstehe sondern der andere auch nicht ganz weiß, was „im Herrn“ eigentlich genau ist. Ist halt darin groß geworden.
        Aber nicht bei allen, gerade bei Theologen, die ja noch weit unverständlicher reden, aber – zumindest die Guten – auf Nachfrage ihre Worte detailliert erklären können. Dann bekommt vielleicht auch ein „im Herrn“ plötzlich eine neue Kraft. Aber eben nur aus einem Gespräch heraus und nur wenn es eben nicht nur als Floskel verwendet wird.

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  2. Ich denke, man sollte beides miteinander verbinden: eine verständliche Sprache sprechen und an den Inhalten festhalten. Das ist sicher eine Herausforderung, aber nicht unmöglich.

    Jedenfalls wer Menschen für den Glauben gewinnen will, kann ja nicht umhin, verständlich zu reden. Wenn jemand mit dem Begriff „Heiliger Geist“ nichts anfangen kann, muss man andere Worte finden, um zu erklären, was man meint. Zum Beispiel: Der heilige Geist ist die Kraft Gottes, die Menschen von innen heraus verändert. Oder: Was heißt eigentlich „Sohn Gottes“? Heute würden wohl viele denken, Gott hat mit irgendeiner Frau einen Sohn gezeugt (so wird es übrigens auch von vielen Muslimen verstanden – was nicht an den Muslimen liegt, sondern an der Unverständlichkeit des Begriffs). Wir denken eben bei Sohn an einen Nachkommen. Das biblische Wort bedeutet aber die Nähe zwischen zwei Menschen, die einander in Freundschaft oder Liebe verbunden sind. Wenn Jesus als der einzige Sohn Gottes bezeichnet wird, würde ich das so erklären: Er ist der Mensch, der so wie kein anderer Mensch vor oder nach ihm mit Gott verbunden war, ihm nahestand, ja mit ihm eins war in der Liebe. So sehr, dass uns in ihm Gott selbst begegnet. Natürlich könnte man noch viel mehr dazu sagen. Aber ich finde, eine solche Erklärung ist zulässig und auch notwendig, um sich den gegenwärtigen areligiösen Menschen verständlich zu machen und nicht in einer ihnen fremden Sprache zu reden.

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    1. Das umschreiben finde ich gut, wenn es verständlicher wird und schlecht, wo Inhalt verloren geht.
      Bei Sohn Gottes wäre mir das zu wenig. Zum einen ist das ja eine politische Kampfansage, weil sich auch der römische Kaiser Sohn Gottes nannte. Das macht die Kreuzigung verständlicher. Zum anderen ein Ausdruck der Dreieinigkeit, dass Jesus nicht ein Mensch unter Menschen sondern auch eine Selbstoffenbarung Gottes ist.

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  3. Mir geht es auch darum, das Evangelium verständlicher zu machen, ohne dass der Inhalt verlorengeht.

    Ich habe die biblische Bedeutung des Begriffs „Sohn Gottes“ wiedergegeben. Im Alten Testament ist ja das Volk Israel „Sohn Gottes“ und die Könige Israels sind es auch. Was ist damit gemeint? Israel ist das von Gott auserwählte Volk, und die Könige wurden auch von Gott zu ihrem Königtum erwählt (und dann von Propheten gesalbt). „Sohn Gottes“ meint also, dass das Volk Israel oder einzelne Menschen von Gott zu etwas auserwählt wurden: Gott hat zu ihnen eine besondere Beziehung, er steht ihnen besonders nah und überträgt ihnen eine besondere Aufgabe, für die er sie dann auch segnet. Der „Sohn Gottes“ lebt dann als Sohn, wenn er sich auf diese Nähe Gottes zu ihm einlässt und seine Aufgabe wahrnimmt.

    Dieser Begriff „Sohn Gottes“ wurde dann im Neuen Testament auf Jesus übertragen. Aber Jesus ist nicht Sohn Gottes wie Israel oder einzelne Menschen, sondern er ist „der eingeborene = einzig-geborene = einzige Sohn“. Das unterscheidet ihn von allen anderen Menschen. Gott steht zu ihm in einer einzigartigen Beziehung, in einer einzigartigen Nähe und er hat eine einzigartige Aufgabe, zu der er gesandt und für die er gesegnet ist. Man könnte es auch Liebesbeziehung nennen. Gott und Jesus sind in Liebe so eng miteinander verbunden, dass sie alles miteinander teilen: Jesus will, fühlt und tut nichts anderes als das, was Gott will, fühlt und tut. Darum begegnet uns in ihm Gott selbst als Mensch. Oder von Gott aus gesagt: Gott offenbart sich in dem Menschen Jesus. Und zwar auf einzigartige Weise, d.h. dass es keinen Menschen gab, gibt und jemals geben wird, in dem sich Gott uns deutlicher und vollkommener kundtut. Alles, was wir über Gott sagen, muss sich deshalb an Jesus messen lassen.

    Ich finde, das muss man den heutigen Menschen verständlich machen. Man sollte ihnen also nicht einfach sagen „Jesus ist Gottes Sohn, das musst du glauben“, sondern man sollte ihnen auch erklären, was damit eigentlich gemeint ist.

    Vielleicht gibt es ja noch bessere Erklärungen dafür, was „Sohn Gottes“ meint. Ich bin für andere Vorschläge dankbar. Ich will den Begriff „Sohn Gottes“ auch gar nicht streichen, aber in der Kommunikation mit den unreligiösen Menschen reicht er nicht, um das Evangelium begreifbar zu machen, sondern stößt eher ab, weil der unreligiöse Mensch bei „Sohn Gottes“ schnell daran denkt, dass Gott mit irgendeiner Frau einen Sohn gezeugt hat (so verstehen es übrigens auch viele Muslime – die denken bei der Frau an Maria). Damit rückt Gott in die Nähe der griechischen Götter, die auch dauernd mit irgendwelchen Frauen Kinder zeugten. Um dieses und andere Missverständnisse zu vermeiden und so das Evangelium unverständlich zu machen, sollten wir uns darum bemühen zu erklären, was wir mit „Sohn Gottes“ meinen.

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    1. „Man sollte ihnen also nicht einfach sagen „Jesus ist Gottes Sohn, das musst du glauben“, sondern man sollte ihnen auch erklären, was damit eigentlich gemeint ist.“ Sehe ich auch so. Man muss den Worten wieder eine tiefere Bedeutung verleihen. Die meisten kennen sie nur von nachgeplapperten Gebeten, Dann wird religiöse Sprache vielleicht auch wieder anders verstanden.

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    2. Du hast jetzt den Begriff wieder anders ausgelegt, als vorher.
      „Sohn Gottes“ im AT meint sicherlich, wie du es ja auch ausführst, etwas anderes als diese Bezeichnung für Jesus.
      Ein Fakt von Sohnschaft ist, dass man Sohn ist und bleibt (außer in rechtlichen Fragen – siehe „Der verlorene Sohn“). Das ist keine Frage von „in Freundschaft und / oder Liebe verbunden sein“. Sohnschaft definiert sich auch immer von der Seite der Eltern her. Denn sie haben diesen gezeugt / geboren. Von daher ist es auch im AT Gott, welcher diese Bezeichnung ausspricht.
      Bei Jesus hingegen haben wir Gott selbst, welcher in Jesus Mensch wurde. Deshalb ist er „der eingeborene = einzig-geborene = einzige Sohn“. Absolut wichtiger Fakt: Jesus ist kein Mensch, welcher in späten Jahren eine Berufung Gottes erfuhr. Jesus ist von Anfang an der eine Gott, der „zweite Adam“, etc. Mit beginn der Ankündigung an Maria, dass sie schwanger werden wird. Gott zeugte hier nicht zusammen mit einer menschlichen Frau einen Halbgott. Hier wurde Gott selbst mittels einer menschlichen Frau Mensch.

      Ok, dies mag als Beispiel dienen, um aufzuzeigen, dass eine verständliche Sprache wichtig ist. Diese setzt aber ein Verstehen voraus. In manchen besonders wichtigen Dingen der Heilsfrage eben auch ein komplexes Verstehen. Zu leicht verwässern wir mit unserem Bemühen um verständliche Sprache die Inhalte. Das darf eben nicht sein! Fachbegriffe zu nutzen ist nicht falsch. Man muss diese aber auf Nachfrage verständlich erklären können. Genau da scheitern so viele.

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