Eine freundliche Geste wiegt mehr als tausend Worte

Wie hart gehe ich gerne ins Gericht, wenn ein anderer einen Fehler macht oder mir etwas an dessen Meinung oder Art nicht passt. Irgendwie liegt es näher das Haar in der Suppe zu finden als die Suppe zu loben. Für ein Lob muss es schon eine so gute Suppe sein, dass auch kein anderer Mensch auf Erden ein Haar darin finden könnte. 100% ist gerade so gut genug. Alles darunter bedarf der Kritik. Im Idealfall konstruktiver Kritik, aber Hauptsache Kritik.

Wie viel Gewicht trägt vor diesem Erfahrungshintergrund eine kleine freundliche Geste. Aber nur eine im tiefsten Inneren ernst gemeinte will der Haar in der Suppe Suchende, der Purist in mir, der für Äußerlichkeiten so oft blinde Monk in mir ergänzen. Aber nein, angesichts der tiefen Tragweite unserer Haar in der Suppe Kultur ist bereits die kleinste unter den kleinen Freundlichkeiten ein Lichtschimmer.

Freundlichkeit ist auch eine Frucht des Heiligen Geistes. Sie scheint mir die unscheinbarste unter den aufgezählten Früchten zu sein. Die kleine Schwester der Güte sozusagen. Aber Güte, Güte ist kraftvoll, bewegt richtig etwas, der Krieger des Lichts, der für das Gute Jesus ans Kreuz nachfolgt und dabei noch sanftmütig seinen Peinigern in erhabener Demut Vergebung verspricht. Aber Freundlichkeit, das ist dem Busfahrer ein zartes Lächeln schenken (was ich meist nicht tue und heutzutage nicht einmal gesehen würde): Zwei Sekunden freut er sich darüber, danach hat er vergessen, dass es je geschehen ist.

Und doch ist sie eine Frucht, die ein ganzes Raumklima verändern kann. Als Frucht des Heiligen Geistes geht die Freundlichkeit sogar in die Tiefe, mein Innerstes verändernd. Die kleine Geste kann bereits eine Kritikkultur wandeln und Spannung von den perfektionistischen Schultern entlassen. Aber der Heilige Geist will mehr noch: Will in unser Denken und Fühlen hinein. Was wäre das für eine Welt, in der ich nicht mehr umgeben bin von arroganten Chefs, faulen Kollegen, streitsüchtigen Freunden, gewaltbereiten Flüchtlingen, Covidioten … in der mein erster Gedanke zu ALLEN Menschen erst einmal ein freundlicher wäre.

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