Verdunkelt der Lockdown mir die Sinne?

Mir geht es in dem Lockdown im Grunde recht gut, ich habe meine Familie um mich, bin nie einsam, habe eine sichere Arbeitsstelle, Homeoffice hat auch seine guten Seiten und ich fühle mich sehr gesund. In diesem zweiten Lockdown geht alles viel einfacher von der Hand als noch im Frühjahr. Die Mädels sind mittlerweile ein eingespieltes Team und so überstehen wir auch den geschlossenen Kindergarten noch gut, trotz fehlender Kontakte zu anderen Kindern. Corona ist nur noch ein Hintergrundrauschen, gegen das ich mich bestmöglich schützen möchte, das aber aus Gewohnheit nicht mehr so direkt ängstigt.

Dennoch hat es der Lockdown jetzt wohl doch geschafft mich irre zu machen. Nicht im klinischen Sinn. Aber dieses ständige zu Hause sein, das mir bis dato eigentlich mit meiner Persönlichkeit nicht so wirklich schwer fiel und ja nie ein 100%iges HomeOffice war, entfaltet nun doch eine Wirkung:

Ich sehe in paranoider Sorge schon unsere Wohnung in Flammen aufgehen. Mein Kopf hat es sich, in Ermangelung eines echten Grunds zur Klage, zur Aufgabe gemacht etwas zu finden, über das er sich Sorgen machen kann. Ich verstehe nicht, woher so plötzlich dieses Gefühl des Bedrohtseins kommt. Etwas in mir glaubt unter dem sprichwörtlichen Damoklesschwert zu stehen. Warum? Es hat sich nichts geändert im Vergleich zu vor zwei Wochen. Es gibt keinen, wirklich keinen Grund zu meckern, über die gerade so surreal stattfindende Allgemeinsituation einer tödlichen Pandemie hinaus. Mir persönlich geht es so gut wie noch nie. Meinen Kindern auch. Und sogar meine Frau, der es im Frühjahr am schwersten gefallen ist, zeigt sich zufrieden. Warum bin ich von einem Tag auf den anderen plötzlich in Sorge?

Es niederzuschreiben hilft mir vielleicht, in der Hoffnung wenigstens der eine da oben liest es und lächelt über meinen Kleinglauben. Ja, was ist das für ein merkwürdig Ding, diese Seele, die du uns da geschenkt hast?

6 Kommentare zu „Verdunkelt der Lockdown mir die Sinne?

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  1. Hi 🙂
    Schön, mal wieder von dir zu hören, auch wenn das Thema nicht so schön ist …
    Ich denke , es ist anstrengend.
    Und irgendwann kriegt es uns alle mal …
    Die Frustration .
    Punkt.
    Anstrengend
    Frustrierend
    Hilflosigkeit
    Ist so.
    Einen lieben Gruß dir rüber schicke ❤

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  2. Hallo Markus,
    wie es scheint, belastet dich die ganze Situation doch weit mehr, als du es dir bisher zugestanden hast. Evtl. ist der Auslöser deiner Gefühle der Eindruck, dass es mit der Pandemie scheinbar kein Ende zu geben scheint. Was nicht so sein wird. Ganz sicher wird es ein Ende geben – angesichts dessen, dass wir nun schon bei Impfungen angekommen sind.
    Manche Sorgen und Ängste unterdrücken wir unter einer gelassenen Haltung. Diese stellt man den Sorgen und Ängsten entgegen. Nicht immer bewusst. Doch irgendwann mal, wenn es lange genug dauert, werden uns die Sorgen und Ängste doch bewusst. Und dann scheinen sie uns erdrückend zu sein.
    Stell dich einfach deinen Gefühlen, bespreche sie mit Gott, deiner Frau und Freunden. Dann lässt der Druck auch wieder nach.
    Und ja, Gott weiß, dass Sorgen uns drücken. Deshalb ja immer wieder die Ermutigung Seinerseits: „Sorgt euch nicht, denn … “
    Gruß, Charly

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  3. Gut zu hören, dass es anderen auch so geht. Mir ging es wochenlang so, dass ich mit allem haderte, obwohl es dazu außer ein paar Kontaktbeschränkungen, die ja auch nicht so schlimm sind, keinen Grund gab. Ich konnte mich frei bewegen, war viel im Wald unterwegs und hatte einige Online-Meetings, familiär war alles bestens, und trotzdem rebellierte die Seele. Seit einigen Wochen ist es nun umgekehrt: Äußerlich hat sich rein gar nichts geändert, aber ich bin voll zufrieden, geradezu glücklich – und habe keine Ahnung, warum es jetzt so ist im Vergleich zu vorher. Es ist, als hätte jemand einen Schalter umgelegt. Es ist schon war: ein merkwürdig Ding ist unsere Seele mit ihrem Kleinglauben, aber vielleicht hat „der eine da oben“ ja mein Jammern gehört und den Schalter umgelegt. Ich selbst hab’s jedenfalls nicht gemacht. Und der eine kann’s bei dir auch ganz schnell tun, und dann wunderst du dich nur und denkst: Wie ist das möglich?

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    1. Bei mir scheint es auch nur eine Phase gewesen zu sein.

      Aber das ar schon merkwürdig. Ich habe ständig gedacht, dass irgendwas passiert, so wie wenn man auf Reisen geht und denkt man habe den Herd nicht ausgemacht obwohl man doch kurz vorher noch nachgeschaut hat.

      Die Seele ist halt keine Maschine und ich denke als Erwachsene machen wir uns zu viel Druck zu funktionieren wie eine Maschine. Meinen Töchtern würde ich sofort zugestehen, dass ihre kleinen Seelen neue Eindrücke halt erst verarbeiten und ist drum aufgewühlt sind

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