Ein DIN Leben führen

Mich treffen schon ungläubige Blicke, wenn ich sage keinen Fernseher zu besitzen. Dabei bin ich ein richtiger Serien-Junky. Ich hatte im Studium einfach nur kein Geld, drum meinen Laptop als billige Alternative zum klassischen TV erwählt und mich so daran gewöhnt auch nach Eintreffen der ersten Gehaltszahlungen nicht mehr die Notwendigkeit zu erkennen, daran etwas zu ändern. Also eigentlich bin ich gar nicht anders, nur die Wahl des Mediums ist es. Und doch erzeugt schon diese Winzigkeit Irritationen.

Mir fällt das immer stärker auf, dass Dinge, die ich unbedeutend finde oder inzwischen für mein Leben als normal wahrnehme, im Gespräch mit anderen auf einen kleinen Widerstand treffen. Dabei hätte ich das in Zeiten von Corona und Klimawandel gar nicht mehr so erwartet. Sind jetzt nicht alle irgendwie am experimentieren, was sie anders machen können? Anscheinend nicht. Leben wir alle in DIN normierten Leben? Da gibt es eine fiktive DIN Norm für die Art zu Wohnen, die Anzahl an Autos, was man kauft, Freizeitaktivitäten, Reiseziele,… Aber wer um Himmels Willen hat diese erschaffen?

Wir wollen also alle Originale sein, irgendwie einzigartige Individualisten, die sich selbst und ihr Glück bestimmen. Aber wir wollen auch ein DIN Leben führen oder erwarten es von anderen ? Wer erkennt die Unlogik?

Ganz ehrlich, ich halte mein Leben nun wirklich nicht für besonders anders. Ich bin kein Missionar, der nur mit einem Sack Bibeln bewaffnet nach Nordkorea fliegt. Ich bin recht normal, dachte ich. Außer, dass ich halt ein paar winzigen Kleinigkeiten hier und da einen etwas anderen Spin gebe, weniger Sinn für Äußerlichkeiten habe, die Dinge gern etwas minimalistischer mag und mich drüber freue mit einem Einkauf nur einen halben statt ganzen Wald gerodet zu haben…

…Wie schwer müssen es dann erst alle haben, die wirklich etwas anders machen…

Ein Kommentar zu „Ein DIN Leben führen

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  1. Lieber Utopio, es stimmt, wir sind alle Individualisten und eine jeder auf seine Weise ein Original, weil genau so kein zweites Mal auf Erden vorhanden. Von daher muss sich auch niemand erklären, warum er was konsumiert oder auch nicht. Mensch kann sich austauschen, freundschaftlich, falls, ohne einen Zwang zur Rechtfertigung.

    Auf der anderen Seite verstehe ich uns Individuen auch als Teil mehrerer Gemeinschaften. Als gläubige Menschen Teil unserer Gemeinde, als Staatsbürger Teil unseres Landes. Das verpflichtet auch zu gewissen Standards in Sachen gemeinsame Verantwortung, um miteinander klarzukommen.

    Die letzten 1.5 Jahre haben mir schmerzhaft bewusst gemacht, wie sehr uns unser Selbstverständnis als Teil eines großen Ganzen abhanden gekommen ist, beim teils zwanghaften individualisieren, sich von einander unterscheiden wollen. Zeit für ein wenig mehr Sozialismus, nicht im Sinne von Gleichschaltung, sondern mehr für- und miteinander.

    Liebe Grüße, Reiner

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